| I. Die Geschichte
der ELKIN/DELK
Die Geschichte der ELKIN/DELK ist eng verbunden
mit der Arbeit der Rheinischen Mission. 1842 kamen die ersten rheinischen
Missionare über Südafrika in ein noch kaum erkundetes Land. Sie
sahen es als ihre Aufgabe an, einheimischen Menschen das Evangelium zu
verkündigen, sie zu erziehen und zu christianisieren.
Die erste Gemeinde
Anfang 1896 wurde die Deutsche Evangelische Gemeinde
in Windhoek gegründet und man schloss sich aus pragmatischen
Gründen der Evangelischen Kirche Preußens an.
Die Windhoeker Christuskirche wurde von 1907-1910 gebaut.
Sie ist nicht nur der Gottesdienstort der Windhoeker Gemeinde, sondern
auch ein Wahrzeichen der Stadt
Weitere Entwicklung
Der Ausbruch des Herero- und Nama-Krieges gegen
die deutsche Kolonialherrschaft (1904/05) verhinderte die Etablierung weiterer
Gemeinden bis zum gänzlichen Ende der Kampfhandlungen und der damit
erfolgenden Rückkehr von Siedlern und Soldaten an ihre Heimatorte.
Eine Ausnahme war Swakopmund, da die Küste vom antikolonialen Krieg
ausgenommen war. Unter der Federführung von Dr.Heinrich Vedder, wohlbekannt
in der Geschichte von Mission und Kirche Südwestafrikas / Namibias,
entstand die Deutsche Evangelische Gemeinde Swakopmunds im Jahr 1905. Nach
Kriegsende entstanden u.a. Gemeinden in Karibib, Lüderitzbucht, Omaruru
und Otjiwarongo. Die jüngste Gemeinde der heutigen ELKIN/DELK wurde
1934 in Outjo gegründet.
Etwa bis Mitte der 1960er Jahre wurden die meisten
deutschsprechenden Gemeinden von Missionaren der Rheinischen Mission betreut.
Diese waren im sogenannten "Doppelamt" zuständig für die Missionsgemeinden
und die muttersprachlich deutschsprechenden Gemeinden. Nur in größeren
Ortschaften wie Windhoek, Swakopmund und Tsumeb gab es zeitweise oder auch
permanent Pastoren ausschließlich für die deutschsprechenden
Gemeinden. Zu allen Zeiten gehörte die geistliche Versorgung der Menschen
in den Farmgebieten zu den pastoralen Aufgaben.
Mit dem Ende des 1.Weltkrieges kam eine Zeit der
Unsicherheit für die deutschen Gemeinden. Viele Mitglieder der Gemeinden
wurden auf Veranlassung der südafrikanischen Behörden deportiert
und inhaftiert. Der Fortbestand einiger Gemeinden war gefährdet. Darum
fand die erste Synode, von Pastor Ebers in der Christuskirche zu Windhoek
einberufen, großen Anklang. Nicht nur die weit im Lande verstreuten
Pastoren kamen zum ersten Mal zusammen, sondern die Gemeinden fanden nun
die Möglichkeit, sich zu einer engeren Gemeinschaft, zur "Deutschen
Evangelischen Synode von Südwestafrika" zusammenzuschließen.
Auf dieser Synode
wurde Pastor Ebers zum ersten Landespropst der deutschsprachigen Gemeinden
gewählt
Zweite Konferenz der Synode,
1928 in Windhoek
Noch zweimal war die Christuskirche Ort wichtiger
kirchengeschichtlicher Entscheidungen.
Der Weg in die Selbständigkeit
Im Juli 1958 beschloß die Synode, eine für
alle deutschsprachigen Gemeinden geltende Verfassung zu entwerfen und somit
die Gründung der selbständigen "Deutschen Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Südwestafrika" (DELK) vorzubereiten.Erst jetzt erklärte
die Synode das Augsburger Bekenntnis und Luthers Kleinen Katechismus zu
Grundlagen der Kirche und legte damit ihren lutherischen Charakter fest.
Somit war der Weg für die folgende Synode bereitet, um am 30.Mai 1960
die "Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Südwestafrika" zu
gründen. Ursprünglich hatten sich die deutschsprachigen Gemeinden
der preussischen Kirche und dann später dem Oberkirchenrat von Charlottenburg,
Berlin, angeschlossen. Seit 1961 steht die selbständige DELK in Partnerschaft
mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese hilft der ELKIN
(DELK) heutzutage besonders den Mangel an bodenständigen Geistlichen
durch die Entsendung von Pastorinnen und Pastoren aus Deutschland nach
Namibia zu kompensieren.
1992, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit
Namibias, beschloß die Synode der DELK den Namen der Kirche zu ändern
in "Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia / DELK" (Evangelical-Lutheran
Church in Namibia / GELC). Der volle Name drückt die gemeinsame Grundlage
mit den anderen lutherischen Kirchen Namibias aus, das angehängte
"DELK" verweist auf die Ursprünge der Kirche. Es soll deutlich sein:
Die ELKIN (DELK) ist keine ausländische deutsche Kirche, sondern eine
bodenständige Kirche Namibias mit überwiegend deutschem Sprachgebrauch.
Zur gleichen Zeit änderten auch die Schwesterkirchen,
die Evangelisch-Lutherische Owambo-Kavango Kirche (ELOC) und die Evangelisch-Lutherische
Kirche (Rheinische Missionskirche), ihre Namen in Evangelical-Lutheran
Church in Namibia bzw. Evangelical-Lutheran Church in the Republik of Namibia.
II. Ökumenische Beziehungen
der ELKIN (DELK) - damals und heute
Deutscher Kirchenbund und VELKSA
1926 konstituierten die drei deutschsprachigen
Synoden im südlichen Afrika einen gemeinsamen Bund, den "Deutschen
Kirchenbund in Süd- und Südwestafrika". Auch wenn alle Synoden
in enger Beziehung zu Kirchen in Deutschland standen, fand doch ihr bodenständiges
Engagement Ausdruck in einer eigenen, monatlich erscheinenden Kirchenzeitung,
der "Heimat", in dem Jahrbuch "Afrikanischer Heimatkalender", in einem
eigenen Gesangbuch und in einer eigenen Liturgie.
Der Kirchenbund von 1926 wurde später umbenannt
in die bis heute existierende "Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche
im Südlichen Afrika" (VELKSA), deren Aufgabe unter anderem die lutherische,
theologische Ausbildung ist (Universität Pietermaritzburg / Südafrika).
Mitglieder der VELKSA sind die ELKIN (DELK), die Evangelisch-Lutherische
Kirche in Südafrika / Natal-Transvaal (ELKSA-NT) und die Evangelisch-Lutherische
Kirche in Südafrika / Kapkirche (ELKSA-Kap). Während die beiden
südafrikanischen Kirchen schon länger nicht mehr als deutschsprachig
zu bezeichnen sind (es gibt deutsche, englische und afrikaanse Gottesdienste),
ist in der besonderen Situation Namibias die deutsche Sprache weitgehend
als Gottesdienstsprache der ELKIN (DELK) erhalten geblieben. Selbstverständlich
ist die Mehrsprachigkeit immer wieder bei vielen Taufen, Trauungen und
Beerdigungen anzutreffen - je nach Bedürfnis der Teilnehmenden - und
erst recht bei gemeinsamen Gottesdiensten mit den namibischen Schwesterkichen.
Lutherische Gemeinschaft in Südwestafrika
und im selbständigen Namibia
Nach dem 2.Weltkrieg wurde die Verbindung der
Kirchen in Südwestafrika, insbesondere der lutherischen Kirchen, enger.
Wiederholt gab es ökumenische Konferenzen der Geistlichkeit. Gemeinsame
Gottesdienste wurden in drei Sprachen gehalten. Das gemeinsame Erbe, der
Wille miteinander zu kommunizieren und einander besser kennenzulernen führte
Ende der 1950er Jahre zur Planung und einige Zeit später schließlich
zur Gründung eines Lutherischen Rates von Südwestafrika (Lutheran
Council of South West Africa). Am 11.März 1961 kamen die Kirchenleitungen
aller drei lutherischen Kirchen zum ersten Mal zusammen. Bereits am 20.August
1962 kam man erneut zusammen und traf sich in Oniipa im Norden des Landes.
Die "Konferenz der Lutherischen Kirchen in Südwestafrika" (Conference
of the Lutheran Churches in South West Africa" wurde gegründet und
ihre Statuten wurden im folgenden Jahr von den Synoden der drei Kirchen
angenommen.
1970 ergab sich eine weitere Möglichkeit
zur Kooperation, als die Niederdeutsche Reformierte Kirche (NGK) von ihrer
Seite aus die "Driehoek-Übereinkunft" beendete, die 1947 mit der Evangelisch-Lutherischen
Kirche (Rheinische Missionskirche) und der Evangelisch-Lutherischen Owambo-Kavango
Kirche getroffen worden war. Diese Übereinkunft hatte die Bezahlung
von Evangelisten festgelegt, die unter den Kontraktarbeitern aus dem Owamboland
arbeiteten. Im selben Jahr entschied die Synode der DELK einstimmig, die
durch den Austritt der NGK entstandene Vakanz in der Übereinkunft
zu füllen und den Schwesterkirchen zur Seite zu stehen.
VELKSWA und Nationalkomitee des
LWB: Wege zur Einheit
1972 gründeten die beiden aus der Mission
entstandenen lutherischen Kirchen die "Vereinigte Evangelisch-Lutherische
Kirche in Südwestafrika" (VELKSWA), deren Mitglied dann 1975 auch
die DELK wurde. 1989 verließ die Evangelisch-Lutherische Kirche (Rheinische
Missionskirche) - inzwischen die Evangelisch-Lutherische Kirche in der
Republik Namibia (ELCRN) - die VELKSWA. Die VELKSWA wurde dann 1993 endgültig
aufgelöst.
Im Juni 1992 trafen sich die Kirchenleitungen
der drei lutherischen Kirchen Namibias in Groß Barmen und beschlossen,
daß der Frage nach der lutherischen Einheit insbesondere auf Gemeindeebene
(grassroot level) nachgegangen werden sollte. Seit dieser Zeit ist das
Namibia Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (NNC/LWF) die Plattform,
auf der die drei Kirchen eng kooperieren. Im Blick auf die lutherische
Einheit schuf das NNC-LWF die Stelle einer Koordinatorin für lutherische
Einheit.
Nach 50 Jahren Vereinigungsgesprächen wird
2007 das NNC-LWF abgelöst werden durch den Vereinten Kirchenrat der
lutherischen Kirchen (UCC-NELC).
Der Rat der Kirchen in Namibia
(CCN)
Ökumenische und diakonische Initiativen,
besonders der Anglikanischen Kirche, führten 1973 zur Gründung
des "Christian Centre" in Windhoek. Dieses wurde zum Vorgänger für
den "Council of Churches in Namibia" (CCN), zu dessen Gründungsmitgliedern
die ELKIN (DELK) zählt. Innere wie politische Spannungen, dazu die
Suspendierung der DELK vom Lutherischen Weltbund im Jahr 1984, führten
dazu, daß die DELK ihre Mitgliedschaft im CCN 1987 aufkündigte.
5 Jahre später - im nun unabhängig gewordenen Namibia - beschloss
die Synode der ELKIN (DELK) 1992 die Wiederaufnahme in den CCN zu beantragen
und ist seit 1993 wieder vollwertiges Mitglied.
Lutherischer Weltbund und LUCSA
Als 1966 die "Federation of Evangelical-Lutheran
Churches of Southern Africa" (FELCSA) gegründet wurde, wurde die DELK
nicht nur hier, sondern zugleich auch im Lutherischen Weltbund Mitglied.
Die Suspendierung vom Lutherischen Weltbund während der LWB-Generalversammlung
in Budapest 1984 war eine bittere Erfahrung für die DELK und zugleich
auch für die beiden anderen deutschsprachigen Kirchen im südlichen
Afrika. Erst 1992 wurden die Kirchen vom LWB wieder aufgenommen. In der
Region des südlichen Afrikas gründeten die lutherischen Kirchen
1991 eine Nachfolgeorganisation für die FELCSA, die "Lutheran Communion
in Southern Africa" (LUCSA). In dieser Kirchengemeinschaft haben sich lutherische
Kirchen aus Malawi, Simbabwe, Botswana, Sambia, Angola, Mosambik, Südafrika
und Namibia zusammengefunden. Alle drei lutherischen Kirchen Namibias sind
Mitglieder.
III. Zukunftsperspektiven
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia
(DELK) mit ihren ungefähr 7000 Mitgliedern in 16 Gemeinden und ihren
7 Pfarrstellen, verteilt über eine Fläche von 823.000 km2, gehört
zu den ausgesprochen kleinen lutherischen Kirchen: Es sind wenig Mitglieder
in einem riesigen Gebiet. So stellt sich die Frage, wie lange ihre Existenz
in der heutigen Form und die pastorale Arbeit im bisherigen Umfang überhaupt
möglich sein wird.
Die Verstreuung der Gemeindemitglieder in den
riesigen Farmgebieten erschwert eine kontinuierliche geistliche Betreuung.
Die Verkleinerung der Gemeinden im Süden durch den Wegzug vieler Mitglieder
wegen der anhaltenden Dürre macht eine eigene Pfarrstelle dort unfinanzierbar
und die Versorgung von Windhoek her ist wegen der großen Entfernungen
nicht einfach. Die steigenden Kosten für Dienstfahrzeuge und Benzin
machen die Finanzierung der Landpfarrstellen immer schwieriger. Mancher
Pastor fährt am Wochenende über tausend Kilometer, um an verschiedenen
Orten mit den Gemeinden Gottesdienst zu feiern. Aber dieses ist notwendig,
denn weniger Versorgung würde bedeuten: Immer weniger Menschen das
Evangelium zu predigen und letztlich auch immer kleiner werdende Gemeinden
zu haben. Das will niemand!
So braucht die ELKIN (DELK) neue Konzepte für
die geistliche Versorgung der Deutschsprachigen - unter ständiger
Berücksichtigung der finanziellen und personellen Gegebenheiten. In
den Gemeinden, in der Synode und in der Kirchenleitung wird daran gearbeitet
- und vor allem um Gottes Hilfe gebetet.Wichtiger Baustein für die
künftige Kirche ist dabei die Ausbildung von Laien. Die ersten Laienpredigerinnen
und -prediger haben ihre Ausbildung abgeschlossen und sind zum Dienst in
den Gemeinden bereit. Dies wird in Zukunft mehr und mehr wichtig werden!
Das Wichtigste ist und bleibt: Wir schämen
uns des Evangeliums Jesu Christi nicht und freuen uns, als Kirche in seinem
Dienst zu stehen und die frohe Botschaft weitergeben zu dürfen!
(Hans Hartmut Diehl "Brief history of the Evangelical-Lutheran
Church in Namibia (GELC)" / Jens Hauschild, aktualisiert 2006)
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